Eine Kindheit auf der Alb!

Rechi Stuwe und sein autobiographisches Buch „Die Gene und der liebe Gott“

Ins dörfliche Bild habe er nie richtig gepasst. Ausgestattet mit roten Haare und „Schlappohren“ war Rechi Stuwe schon äußerlich eine ungewöhnliche Erscheinung. Verspottet wurde er damals. Geprägt haben ihn diese Erfahrungen für das ganze Leben. In seinem Buch „Die Gene und der liebe Gott“ hat Rechi Stuwe sein Leben in einem Dorf am Rande der Alb Revue passieren lassen.

Rechi Stuwe ist ein Pseudonym. In den Vordergrund zu stellen, das liegt dem 76-Jährigen nicht. Den Kindern „die Wurzeln beibringen“, das sei seine Motivation für das Schreiben gewesen. Eine Motivation, die so stark war, sich ein halbes Jahr an den Computer zu setzen und die Lebenserinnerungen niederzuschreiben. Pünktlich zu Weihnachten war das Werk gedruckt und wurde den überraschten Kindern überreicht. Geschrieben hat er schnörkellos und in klarer Sprache. Lebendig. So wie es sich tatsächlich zugtragen hat, ohne Übertreibungen und Zuspitzungen.

Geboren 1934 in einem 1200-Seelen-Dorf  auf der schwäbischen Alb, erlebte Rechi Stuwe die Kriegswirren und die Nachkriegszeit. Prägend waren die Entbehrungen und die ständige Geldknappheit. Prägend waren aber auch die ständigen Hänseleien, die er aufgrund seiner Haarfarbe und der großen Ohren erleiden musste. „Teufelskerl“ oder „Rotschopf“ wurde er bei jeder Gelegenheit genannt. Dass er kein „Idealmensch“ sei, das habe in ihm Spuren hinterlassen. Er sei zum Außenseiter geworden, „verklemmt und voller Hemmungen“. Prägend für Rechi Stuwe war auch die fromme, katholische Mutter. „Das hat der liebe Gott so gewollt“, war ihre Antwort auf die Hänseleien, denen ihr Sohn ausgesetzt war. Richtige „Gewissensbisse“ hatte er, fühlte sich „schwer versündigt“, als er einmal an Karfreitag ein Würstchen aß. Die Kirche spielte eine große Rolle in der Kindheit, Rechi Stuwe war Ministrant, die Mutter wünschte sich sogar, er möge Pfarrer werden.

Wie er trotz Hemmungen und Entbehrungen einen spannenden Lebensweg gegangen ist, schildert Rechi Stuwe in seinem Buch „Die Gene und der liebe Gott“ von der Geburt bis zum 75.Geburtstag. Von seinen Tätigkeiten in einer Heubacher Kürschnerei und der Bäckerlehre in Stuttgart. Stuwe berichtet vom frühen Tod der Mutter, darüber, wie er daraufhin am Glauben und an der Existenz Gottes zweifelte. Wie er seine Berliner Frau kennengelernt hat, wie diese durch die Heirat in Westdeutschland den Aufenthaltsstatus für Berlin verloren hatte und schließlich vom Leben in einer eingesperrten Stadt und dem Wunsch, dieser Enge zu entfliehen. Stuwe erzählt von der Rückkehr auf die schwäbische Alb, über berufliche Höhen und Tiefen. Er berichtet über den Versuch, einen Lebensmittelladen zu betreiben, in einer Zeit, in der die ersten Supermärkte entstehen. Er berichtet über seine zweite Ehe, über die erwachende Reiselust der Deutschen und Fahrten als Busfahrer quer durch Europa. Sehr persönlich geht der Autor vor, schreckt auch vor intimen Details nicht zurück. Gleichzeitig spiegelt das Buch die vergangenen sieben Jahrzehnte in der Bundesrepublik und in Berlin wider.

Info: Das Buch „Die Gene und der liebe Gott“ von Rechi Stuwe ist im Heimdall-Verlag erschienen.